Diese Top-3-Trends im Rechnungswesen sollten Sie 2021-2022 kennen

Das Rechnungswesen verändert sich ständig. In dem Beitrag aus dem letzten Jahr – Accounting in, and for, a COVID-19 Year (2020), habe ich die Überschriften von Artikeln zum Thema Buchhaltung analysiert, um durch Text-Mining die wichtigsten Entwicklungen in Sachen Rechnungswesen zu entschlüsseln. Da 2021 sich auch schon wieder dem Ende zuneigt, hier eine kurze Zusammenfassung der Erkenntnisse aus dem Vorjahr:

  • Eine große Anzahl technologischer Fortschritte war zu beobachten, die höchstwahrscheinlich mit dem durch die Pandemie ausgelösten Trend zum Home-Office in Zusammenhang stehen.
  • Der Fokus der Schlagzeilen ging mit den Reporting-Zyklen einher – unsere Aufmerksamkeit wird hauptsächlich vom dem beeinflusst, woran wir gerade arbeiten.
  • Die Bedeutung von Nachhaltigkeit wird aus Synergiegründen immer größer für das Rechnungswesen. 

Viele von uns hatten auch 2021 weiterhin mit der Pandemie zu kämpfen. Auch wenn die Einführung von Massenimpfungen die Situation etwas abmildern konnte, besteht die Gefahr, dass neue Virusvarianten – Delta und nun auch Omikron – mit voller Wucht einschlagen. Dies wirft die Frage auf, welche Themen 2021 die Berichterstattung über das Rechnungswesen bestimmt haben.

Abb. 1: Die behandelten Themen 2021 im Vergleich

Ich habe Überschriften und Kurzzusammenfassungen von Artikeln mit Bezug zum Rechnungswesen von Januar bis November 2021 analysiert und dabei drei Themenfelder ausmachen können. Verwendet habe ich hierzu die Wochenübersicht von Google Alerts. Im Allgemeinen haben sich die 2020 beobachteten Trends 2021 fortgesetzt und verstärkt. Allerdings lässt sich feststellen, dass Themen, bei denen der 'Mitarbeitende in dem Rechnungswesen' und Mensch an sich im Fokus steht und die sich mit Vielfalt und Inklusion beschäftigen, Einzug in die Fachthemenwelt des Rechnungswesens gehalten haben.

Die Ergebnisse lassen sich in folgende Themengruppen unterteilen:

1. Trotz der Versuche, die Pandemie hinter sich zu lassen, bleibt der technologische Wandel grundlegend

„Pandemie“ war das meist verwendete Wort, doch auch „Software“, „Plattform“ und „Cloud“ werden in den 2021 geschriebenen Artikeln sehr häufig verwendet. Dies zeigt, dass im Zentrum des Diskurses weiterhin die technologische Entwicklung im Bereich des Rechnungswesens steht.

Abb. 2: Die Schlagwörter des Jahres 2021

Dieses Jahr lässt sich feststellen, dass Technologie für das Rechnungswesen immer wichtiger wird im Bereich der Kapitalbeschaffung. 21 % der Artikel zum Thema Technologie haben sich mit der erfolgreichen Finanzierung von technologischen Innovationen im Rechnungswesen befasst. Dies bestätigt, dass Investor:innen auf technologische Neuerungen setzen und ihnen ein hohes Zukunftspotential zusprechen. Ziel hierbei ist es, die Leistung künstlicher Intelligenz und des technologischen Fortschritts zu nutzen, um Prozesse effizienter zu gestalten.

In der Vergangenheit wurden Befürchtungen laut, dass der digitale Wandel die „menschliche Buchhaltung“ ersetzen könnte. Doch genauso ist eine abweichende, optimistischere Sichtweise möglich, in der die Buchhaltung angesichts zunehmender Automatisierung an Wert gewinnt statt von ihr ersetzt zu werden. Die Wachstumsrate für Accounting-Software wurde bis 2027 auf 7,1 % festgelegt. Dies weist auf einen Bedeutungsanstieg hin.

2. Menschen und Vielfalt stärker im Fokus

Abb. 3: Die Themen des Jahres im Vergleich

Aus dem Versuch, den Fokus von der Pandemie weg zu verschieben, hat sich Folgendes ergeben: Mit Abnahme der Anzahl von Artikeln über die Corona-Pandemie, haben personenbezogene Themen zugenommen. Zwei Themenfelder lassen sich hierbei besonders hervorheben:

  • Vielfalt, Inklusion und Geschlechtergerechtigkeit
  • Arbeitsmarkt und Kompetenznachfrage

Wir haben dieses Jahr das Phänomen der großen Resignation kennengelernt, das die rekordverdächtige Zahl von Menschen bezeichnet, die im Verlauf der Corona-Pandemie ihren Job gekündigt haben. Wie man dem medialen Diskurs entnehmen kann, ging diese Entwicklung so weit, dass sie zu einem Problem für die Talentbindung geworden ist. Die Welt des Rechnungswesens dreht sich nicht nur um Prozesse, Digitalisierung und Richtlinien, sondern auch um die Menschen, die in diesem Bereich arbeiten. 2021 rückten die Hoffnungen und Wünsche dieser Menschen weiter in das Zentrum der Aufmerksamkeit:

Vielfalt, Inklusion und Geschlechtergerechtigkeit

Das Motto des Internationalen Frauentags 2021 lautete „Choose to Challenge“. Dies geschah unter anderem vor dem Hintergrund der von CA ANZ veröffentlichten Ergebnisse einer Umfrage, die ergab, dass männliche Mitarbeitende in der Buchhaltung bis zu 50 % besser bezahlt werden als weibliche. Es wurden konstruktive Gespräche über Veränderungen geführt und Deloitte hat mit der Ankündigung, 75 Millionen US-Dollar in die neue Initiative Making Accounting Diverse and Equitable zu investieren, eine Vorreiterrolle übernommen. Die Initiative bietet Nachwuchskräften im Bereich des Rechnungswesens Unterstützung bei ihrer Laufbahn an und ebnet den Weg für mehr Stipendien für die Fortsetzung ihrer Ausbildung. Die Lektionen der Corona-Pandemie haben uns gelehrt, dass wir versuchen sollten, den Status quo zu überwinden und dass es in der Arbeitswelt viel zu verbessern gibt.

Es gibt deutliche Forderungen nach mehr Vielfalt und Inklusion in der Arbeitswelt des Rechnungswesens. 49 % der Befragten einer Studie von CalCPA und IMA mit den Schwerpunkten ethnische Herkunft, Gender und LGBTQI+ haben angegeben, schon einmal ein Unternehmen aufgrund von ungleicher Behandlung verlassen zu haben. 40 % gaben mangelnde Inklusion als Grund für ihren Weggang an. Eine Studie der American Accounting Association schlägt folgende Lösungswege vor:

  • Sensibilisierungstraining
  • Mentoring
  • Einflussnahme auf das Verhalten der Kundschaft

Meiner Meinung nach ist aber auch ein Paradigmenwechsel notwendig aufseiten aller, die in der Branche die Führung innehaben. Ein geschlossenes Auftreten gegen diskriminierendes Verhalten und für einen Wandel hin zu mehr Vielfalt, Gleichstellung und Gerechtigkeit ist notwendig.

Entwicklungen des Arbeitsmarkts und Kompetenznachfrage

Die Arbeitsmarktzahlen sind vielversprechend. Das U.S. Bureau of Labor Statistics gab Anfang des Jahres bekannt, dass die Arbeitslosenzahlen gestiegen sind; aufgrund eines Verlusts von 140.000 Arbeitsplätzen im Zuge der Wirtschaftskrise. Der Buchhaltungssektor konnte jedoch ein Plus von 2.300 neuen Arbeitsstellen verzeichnen. Dieser Trend hat das gesamte Jahr über angehalten. Interessant ist jedoch auch die Tatsache, dass die neu geschaffenen Arbeitsplätze im Sektor mit höheren Erwartungen gegenüber der Arbeitnehmerschaft verbunden sind. Von ihnen wird eine höhere Analysefähigkeit erwartet.

Gleichzeitig berichten verschiedene Wirtschaftsprüfungsgesellschaften über Schwierigkeiten, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. In Australien gehören Mitarbeitende der Buchhaltung und Wirtschaftsprüfung zum Beispiel zu den bevorzugten Gruppen auf der Einwanderungsliste. Vor diesem Hintergrund ergeben sich folgende Empfehlungen für Unternehmen, um qualifizierte Arbeitskräfte langfristig zu binden:

  1. Vergütungs- und Leistungsrahmen angesichts der erforderlichen Zusatzqualifikationen anpassen
  2. Flexibilität steigern und Aufgabenbereiche optimieren
  3. Weiterbildungsmöglichkeiten für Arbeitnehmende ausweiten

Außerdem sollten gut definierbare Prozesse dokumentiert werden, um Kontinuität zu garantieren.

3. Neudefinition der Rolle der Buchhaltung/ des Accountings im Rechnungswesen

Die Mitarbeitenden im Rechnungswesen, insbesondere Buchhalter:innen, haben während der Pandemie unter Beweis gestellt, dass sie das Unternehmen zuverlässig verwalten können. Durch ihr solides numerisches Verständnis der Finanzleistung von Unternehmen und der zentralen Einflussfaktoren haben sie nicht nur wichtige Beiträge im Bereich der Unternehmensberatung geleistet, sondern auch Mehrwert geschaffen. In Reaktion auf die wachsende Nachfrage eines breiteren Service-Angebots überrascht es nicht, dass 70 % der in Australien befragten Branchenunternehmen angegeben haben, dass sie bereit wären, ihre Dienstleistungen über die gängigen Audit- und Compliance-Angebote hinaus auszuweiten. Infolgedessen dürfte sich dieser Trend auch in anderen Ländern durchsetzen.

Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass der Financial Reporting Council des Vereinigten Königreichs sowie die Aufsichtsorgane anderer Länder im Rechnungswesen tätige Unternehmen dazu anhält, ihre Tätigkeiten von anderen professionellen Dienstleistungen zu trennen. Dies stellt eine logistische Herausforderung für die gesamte Branche des Rechnungswesens dar. Dennoch wird von Mitarbeitenden der Buchhaltung erwartet, dass sie ein breiteres Aufgabenspektrum übernehmen, das über die reine Compliance-Funktion hinausgeht und sich zu einer beratenden und wertschöpfenden Abteilung für das Unternehmen entwickeln. Diese Erwartungen sind nicht neu. Dennoch bleibt abzuwarten, ob der Diskurs über die „neue Normalität“ ausreicht, um einen Wandel einzuleiten.

Das Interesse im Bereich des Rechnungswesens für Kryptowährungen steigt. Da viele Kryptowährungen 2021 ihren historischen Höchststand erreicht haben, gibt es viele Überlegungen, welches der am besten geeignete Umgang mit diesem Wirtschaftsphänomen im Bereich des Rechnungswesens ist. Die zentrale Überlegung ist, ob man an den Anschaffungskosten ansetzt oder am Marktwert, der sehr unbeständig sein kann. Da Kryptowährungen sich immer größer werdender Beliebtheit erfreuen, ist das Rechnungswesen gezwungen, sich beruflich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass ähnlich komplexe Fragestellungen auch zukünftig buchhalterisches Fachwissen erfordern werden.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Erwartung an das Rechnungswesen, den Weg für mehr Nachhaltigkeit zu bereiten. Die diesjährige Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP26) in Glasgow war ein bedeutender Meilenstein auf dem Weg zu einem Rechnungswesen des Klimawandels. Die International Financial Reporting Standards Foundation kündigte die Gründung des International Sustainability Standards Boards an. Um es mit den Worten von Peter Drucker zu sagen: „What gets measured gets managed“ („Was man messen kann, kann man auch lenken“). Damit wird die Arbeit des Sustainability Accounting Standard Boards und der Global Reporting Initiative vervollständigt. Mit ihrer langjährigen Erfahrung im Reporting und im Disclosure Managment sind Finanzverantwortliche gut aufgestellt für ein prozessorientiertes Rechnungswesen als Maßstab für Nachhaltigkeit.

Accounting Trends für 2022: Auch das kommende Jahr setzt auf die etablierten Grundlagen

Der im Jahr 2020 begonnene große Wandel wird 2022 fortgesetzt. Einige dieser Themen haben Einzug erhalten in unsere Überlegungen für die kommenden Jahre:

  • der digitale Wandel und
  • die Veränderung des Aufgabenbereichs des Rechnungswesens.

Auf diese Weise wird die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Menschen, die in der Branche tätig sind, zur Weiterentwicklung des Sektors beitragen.

Für das Jahr 2022 sind folgende Entwicklungen im Bereich der Rechnungslegung zu erwarten:

  • Verwendung und Einsatzformen von Technologie werden steigen: Dazu gehören Blockchain und eine breite Anwendung von Automatisierung. Neben Systemen werden die Möglichkeiten steigen, vermehrt Technologie im Rechnungswesen einzusetzen.
  • Die Arbeitswelt verändert sich: Das Home-Office wird sich zumindest in einer hybriden Form durchsetzen und mit großer Wahrscheinlichkeit in den kommenden Monaten ein Teil unseres Arbeitslebens bleiben.
  • Neue Richtlinien für Nachhaltigkeit werden sich konkretisieren: Angesichts der Absichten der IFRS Foundation, Nachhaltigkeitstandards einzuführen, gibt es Raum für Überlegungen, wie diese konkret aussehen könnten.

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