Über die digitale Finanzberichterstattung

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Die Einführung der E-Bilanz, der digitalen Berichterstattung von Finanzen, für steuerliche Zwecke in 2011 hat damals für einige Aufruhr gesorgt. Man musste sich mit Taxonomien beschäftigen, die eigenen Systeme anpassen, Konten „mappen“. LucaNet hat seine Kunden durch intelligente Softwarelösungen hierbei unterstützt. Das Verfahren läuft reibungslos und auch andernorts weitestgehend ohne Schwierigkeiten. Bei über 2,5 Mio. betroffenen Unternehmen darf das als technischer Erfolg gelten.

Ziele der E-Bilanz

Ob von einem Erfolg auch inhaltlich gesprochen werden kann, hängt ganz von der Perspektive ab. Stoßrichtung der E-Bilanz seitens der Finanzverwaltung war ja sicherlich nicht, den Unternehmen etwas Gutes zu tun. Vielmehr ging es um Arbeitserleichterung in der Finanzverwaltung. Und vermutlich ging es auch darum, durch verbesserte Möglichkeiten, Betriebsprüfungs-Mehrergebnisse leichter zu erzielen. Ob diese Rechnung aufgegangen ist, habe ich nicht recherchiert.

Aus Sicht der betroffenen Unternehmen dürften indes Betriebsprüfungs-Mehrergebnisse nur höchst selten als lohnenswertes Ziel gelten! Vielleicht aber hat die Beschäftigung mit der E-Bilanz in den Unternehmen dazu geführt, Arbeitsabläufe im Rechnungswesen neu zu durchdenken und letztlich zu digitalisieren.

Der Medienbruch von digitalen zu ausgedruckten Daten ist für Unternehmen wie Banken nicht nur aufwendig, sondern auch fehleranfällig.

Ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht. Werfen wir einen Blick auf das Verhältnis Unternehmenskunde und Kreditwirtschaft. Es ist doch ein Anachronismus: Unternehmen erstellen ihre Jahresabschlüsse digital, drucken sie dann aus und leiten sie an kreditgebende Banken weiter. Dort werden die Daten wieder erfasst, um sie in den bankeigenen Finanzanalysesystemen auswerten zu können. Dieser Medienbruch ist für beide Seiten nicht nur aufwendig, sondern auch fehleranfällig.

Der Weg zur digitalen Übermittlung von Finanzdaten

Doch nicht mehr lange. Die deutsche Kreditwirtschaft hat im Juni 2015 das Projekt ELBA (für: Elektronische Bilanzabgabe) ins Leben gerufen. In der Zwischenzeit wurde es in „Digitaler Finanzbericht“ (DiFin) umbenannt. Das Ziel: die digitale Übermittlung der Jahresabschlussdaten vom Kunden zur Bank. So wie sie bei offenlegungspflichtigen Unternehmen gegenüber dem Bundesanzeiger bereits erfolgt. Seit Juni 2017 läuft mit ausgewählten Unternehmen und Banken eine Pilotphase. Der geplante Start ist in April 2018 erfolgt, wenn auch noch nicht, wie ursprünglich angedacht, flächendeckend.

Wem bringt die digitale Datenübermittlung welche Vorteile?

Natürlich ersparen sich die Informationen bereitstellenden Unternehmen einige (geringe) Verwaltungskosten. Das wären zum Beispiel: Papier, Toner, Porto.

Andererseits mögen manche Unternehmen mit technischem Umstellungsaufwand konfrontiert sein. Es sollen aber nicht mehr Informationen bereitgestellt werden, als ohnehin rechtlich aufzustellen sind. Also:

  • Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung sowie
  • ggf. Anhang und Lagebericht.

Übrigens: Die Übertragung der Daten erfolgt im etablierten XBRL-Format (eXtensible Business Reporting Language).

Indes dürfte der Hauptnutzen beim Empfänger der Daten liegen. Das stellt eine Parallele zur E-Bilanz und der Finanzverwaltung dar. Banken und Sparkassen müssen die Daten nicht noch einmal erfassen. Sie sparen also erhebliche Kosten. Auch der Zeitfaktor dürfte nicht zu unterschätzen sein. Die Auswertung ist quasi in Echtzeit der Übertragung möglich. Kreditvergabeprozesse können sich erheblich beschleunigen.

Wie profitieren Unternehmen von der digitalen Finanzberichterstattung?

Können nun die Unternehmen davon profitieren? Im Prinzip ja, ist man mit Radio Eriwan geneigt zu antworten. Aber eine beschleunigte Kreditvergabeentscheidung sollte doch als Vorteil genügen. Im Ernst ist kaum damit zu rechnen, dass die Kreditwirtschaft ersparte Kosten über günstigere Konditionen an ihre Kunden weiterreicht. Es irritiert schon die Hervorhebung, dass die Teilnahme an der Projekt-Pilotphase kostenlos ist: Was ist dann nach Etablierung des Systems.

Lassen Sie mich noch einen Bogen schlagen: Schon mal was von ESEF gehört?

ESEF steht für „European Single Electronic Format“. Es ist das einheitliche europäische Berichtsformat, mit dem die IFRS-Pflichtanwender in der EU ab 2020 ihre Konzernabschlüsse veröffentlichen sollen.

Über die 2013 geänderte Transparenzrichtlinie ist die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA beauftragt worden, ESEF zu entwickeln. Im Jahr 2015 hat ESMA Vorschläge zu ESEF unterbreitet und die potenziellen Anwender und interessierte Kreise befragt. Aus Deutschland kamen nur vier Stellungnahmen: Darunter nur ein Unternehmen (Siemens). So also sieht das gewaltige Interesse an politischer Mitwirkung aus!

Entscheidung über regulatorische technische Standards in der EU

Der Zug ist aber nun ins Rollen gekommen. Derzeit arbeitet ESMA an regulatorischen technischen Standards (RTS). Diese soll in einer Entwurfsfassung im Feldversuch mit 20-30 Unternehmen getestet werden sollen. Technologisch liegt auch hier XBRL zugrunde. Doch ist noch offen, wie und mit welcher Tiefe und welchen Freiheitsgraden mit dem Anhang umzugehen ist. Die endgültige Entscheidung über RTS wird EU-politisch getroffen und dann im Amtsblatt der EU als EU-Verordnung voraussichtlich 2019 veröffentlicht. Die Frage der technologischen Einbindung des Lageberichts, so sieht es derzeit aus, soll dabei den Mitgliedstaaten überlassen bleiben.

Daher kommen auf die Unternehmen in den nächsten Monaten und Jahren erhebliche (technologische) Anforderungen zu.

  1. Inhaltlich geht es im ersten Schritt um Kontenplananalysen und -bereinigungen. Es wird auch zu prüfen sein, ob und inwieweit sich die aus unterschiedlichen Ecken kommenden Anforderungen unterscheiden.
  2. Dann wird sich zeigen, ob hausintern für unterschiedliche Zwecke möglicherweise unterschiedliche Zuordnungen und Technologien erforderlich sind. Und auch wird dann (zunächst) der Teufel im Detail stecken, wie es bei Neuerungen nun mal häufig so ist.

Wie LucaNet Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützen kann

Dennoch, und davon bin ich überzeugt: Am Ende des Tages werden auch die Unternehmen von der dargestellten Digitalisierung profitieren. Die Prozesse bei der Aufstellung und Verarbeitung von Abschlüssen werden insbesondere bei repetitiven Tätigkeiten (weiter) automatisiert.

Die Effizienz wird durch den Einsatz der LucaNet-Software steigen. Nach wie vor aber müssen wir Menschen wissen, was wir tun. Denn wir entscheiden über bilanzpolitische Ziele und vorhandenes Ermessen – im Rahmen des gesetzlich Möglichen. Die notwendige Fachkompetenz vermitteln wir Ihnen gerne in der LucaNet.Academy.

Als Fachlektüre zum Thema ESEF empfehlen wir Ihnen unser aktuelles Whitepaper zum Thema:

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